Archiv | Januar, 2016

Banden, Gruppen, Bürgerwehren….

28 Jan

Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für ZEIT und ZEIT ONLINE über Rechtsfragen. Weitere Artikel von ihm finden sie auf seiner Webseiter hier.

Banden, Gruppen, Bürgerwehren

Es könnte alles so schön sein. Wenn nur diese Angst nicht wäre! Banden, Gruppen, Organisationen bedrohen uns, umzingeln uns, verstricken uns in ihre Logik und ihr klandestines Wollen. Das klingt ironisch, am Ende gar schadenfroh. Ist es aber nicht. Sich vor dem Fremden zu fürchten, ist weder verrückt noch verwerflich noch verwunderlich: Es ist ganz normal. […]

Ein kleines Experiment für Damen und Herren über 50:
Schritt 1: Erinnern Sie sich an die „Rote Armee Fraktion“ (RAF). Haben Sie sich damals (sagen wir: 1971 bis 1978) gefürchtet? Hielten Sie es für möglich, dass furchtbare Dinge passieren, die Sie selbst betreffen? Wissen Sie noch, wie Sie sich fühlten, als die Boulevardpresse mitteilte, die „RAF“ plane Anschläge auf Kindergärten?
Schritt 2: Erinnern Sie sich an den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Letzte Woche lasen wir, 350 per Haftbefehl gesuchte mutmaßliche Gewalttäter aus der rechtsextremistischen Szene seien untergetaucht und lebten im Untergrund.
Schritt 3: Versuchen Sie, Ihre Angst (oder Nicht-Angst) zu vergleichen. Wenn mich nicht alles täuscht, besteht in der deutschen Bevölkerung derzeit keine kollektive Angst vor dem NSU. Vor der RAF hingegen bestand große Angst. Sie konnte zeitweise bis zur Hysterie angefacht werden. Es hätte sich zu jeder Zeit in jeder deutschen Großstadt problemlos ein Lynchmob finden lassen, der die (mutmaßlichen) Täter der RAF samt ihren Helfern an die nächste Wand stellt.
Schritt 4: Bitte schreiben Sie nun auf einen Zettel drei Gründe, warum Sie – oder die Bevölkerungsmehrheit – sich vor dem NSU nicht fürchten.
Quelle: Fischer im Recht auf Zeit Online

Wahnsinn

18 Jan

62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt

Soziale Ungleichheit nimmt weltweit immer schneller zu. Wie dramatisch das ist, zeigt eine Zahl der Organisation Oxfam:
Die 62 reichsten Menschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – und der Trend hält an.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in nahezu jedem Land der Welt immer größer. Die Geschwindigkeit, mit der das geschieht, überrascht aber auch Experten. Vor einem Jahr sagte die Nichtregierungsorganisation Oxfam voraus, im Jahr 2016 werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung, also rund 70 Millionen Menschen mehr besitzen als die restlichen 99 Prozent (rund sieben Milliarden Menschen) zusammen. Tatsächlich wurde diese Schwelle schon ein Jahr früher erreicht.
Noch drastischer zeigen die Vermögen der Superreichen den Trend: Inzwischen besitzen die 62 reichsten Einzelpersonen genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – vor einem Jahr waren es noch 80 Personen.
Dies geht aus dem Bericht „An Economy for the 1%“ hervor, den Oxfam vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlicht.
Quelle 1: SPIEGEL Online
Quelle 2: An Economy For the 1% – Oxfam

Steueroasen machen die Welt ungleicher
Dem reichsten Prozent der Menschheit gehören nach Abzug aller Schulden genauso viel Vermögen wie den übrigen 99 Prozent, zitiert die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam den Bericht einer Bank.
„Wir leben in einer Welt, deren Regeln für die Superreichen gemacht sind“, kritisiert Oxfam.
Sie plündern die Bodenschätze, vergiften dabei die Umwelt — und drücken sich davor, Steuern zu zahlen. Afrikanische Staaten leiden besonders darunter, dass internationale Konzerne und die Superreichen der Länder zwar Geschäfte in den Staaten machen, aber nicht ausreichend dazu beitragen, das Gemeinwesen zu bezahlen.
Allein die Steuerflucht von reichen Privatpersonen koste afrikanische Staaten jährlich rund 14 Milliarden Dollar, klagt die Hilfsorganisation Oxfam. Das Geld würde ausreichen, um in Afrika die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder zu sichern, sagt die Entwicklungsorganisation.
Quelle: Süddeutsche Zeitung

Einschulungen Schusterkrug

17 Jan

Frau Fariba Heil vom Institut Integration, Interkulturelles Integrations-Coaching für Flüchtlinge, möchte sich auf diesen Wege bei allen Helferinnen und Helfern bedanken.

Das integrative Schulprojekt für die Flüchtlingskinder vom Schusterkrug wurde Anfang 2016 erfolgreich damit abgeschlossen, dass alle Flüchtlingskinder an einer staatlichen Schule angemeldet wurden. Ab der zweiten Januarwoche besuchen die Kinder die Schulen in der Holtenau und die IGF in Friedrichsort. Allen ehrenamtlichen Helfern des Instituts für Integration noch einmal ein herzliches Dankeschön für ihr fürsorgliches Engagement für die Kinder in den letzten Monaten. Dank Eures Einsatzes wurde den Kindern in zwei Klassen am Schusterkrug die ersten Deutschkenntnisse beigebracht und so auf ihren Schuleintritt vorbereitet.
Allen ehrenamtlichen Helfern des Instituts für Integration ein herzliches Dankeschön für ihr fürsorgliches Engagement für die Kinder in den letzten Monaten.
Ilona Schmidt, Johanna Most, Katrin Deba, Lis Könnecke, Marlene Berth, Samuel Gendy, Sara Mousawi, Ulrike Müller, Volker Irrgang-Blitza und Wael Hajtaha.

Köln und Co

11 Jan

Im Gespräch mit Spiegel-Online sind interessante Aussagen von dem Philosophen Wolfram Eilenberger zu lesen und im Philosophie Magazin konnte er 27 Denker und Wissenschaftler bewegen, sich Gedanken zur aktuellen Situation zu machen.

Besonders passend finden wir den hierbei verwendeten Begriff der „Sandkastenlogik“, der sehr treffend für etliche Diskussionen der letzen Tage ist.

„Hier werden jahrhundertealte Angstmuster bedient: Der muslimische Mann aus dem Osten, die Vergewaltigungsangst, das sind Topoi, die in der europäischen, auch deutschen Selbstbeschreibung seit Langem vorhanden sind und jetzt zum Schwingen gebracht werden. Wir sehen am Beispiel von Köln aber auch, was passiert, wenn Ordnungssysteme an ihre Bewältigungsgrenzen geraten. Städte, die so benennbar schlecht regiert werden wie eben Köln oder auch Berlin, sind anfälliger für solche Eskalationen und Steuerungsverluste.

…Wir sind am Ende der zentralen Lebenslüge einer ganzen Generation von Europäern angelangt. Ich bin jetzt 43 Jahre alt. Wie viele andere habe ich mir vorgemacht, das konkrete Leid, das in den Ländern des Nahen Ostens, Asiens und Afrikas den Alltag von Milliarden Menschen prägt, ließe sich für die kommenden Jahrzehnte lebensweltlich auf Distanz halten. Wir hegten die Illusion eines Kerneuropas als mauerloser Paradiesgarten in einer Welt des Elends. Damit ist es vorbei.

Gerade die Flüchtlingsthematik wird von einer infantilen Diskurskultur beherrscht, von wechselseitigen Unterstellungen, Häme, Beschuldigung, naiver Besserwisserei und Verhärtung. Fast alles, was sachlich nötig wäre, gerät in diesen Sandkastenlogiken aus dem Blick. Es wäre ein erwachsener Anfang, sich zunächst eine grundlegende Perplexität einzugestehen. Wir bewegen uns derzeit alle auf schwankendem Grund. Das erfordert eine besondere Wachheit und Gelenkigkeit, gerade in Bezug auf eigene Überzeugungen. Es erfordert die Bereitschaft, Unrecht zu haben.“

Quelle: Spiegel Online